BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Bremen-Mitte/Östliche Vorstadt

Moin Wärmewende

Unter dem Motto Moin Wärmewende haben wir im Winter 2025/26 eine Veranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung durchgeführt sowie zum energieeffizienten Heizen beraten. In den Gesprächen über umweltfreundliches Heizen tauchen einige Fragen immer wieder auf. Auf dieser Seite stellen wir solche Fragen und kurze Antworten (FAQ) zusammen. Wir geben zudem Hinweise auf weitere Informationen durch verschiedene Fachportale. Die Übersicht werden wir fortlaufend ergänzen und aktualisieren. 

Warum ist die Wärmewende für Bremen so wichtig?

Die Wärmeversorgung ist in Deutschland für fast 70% der Emissionen von privaten Haushalten im Wohnbereich verantwortlich, hauptsächlich durch veraltete Gas- und Ölheizungen (Statistisches Bundesamt, 2024). Um die Klimaziele und die Unabhängigkeit von steigenden fossilen Energiepreisen (einschließlich der CO2-Bepreisung) zu erreichen, muss Bremen bis 2045 auf klimaneutrale Wärme umstellen. Die kommunale Wärmeplanung gibt eine Orientierung, wie diese Umstellung nachhaltig gelingen kann.

Was ist die kommunale Wärmeplanung?

Die kommunale Wärmeplanung ist die planerische Grundlage der Wärmewende. Sie steckt den Rahmen ab und zeigt, in welchem Stadtteil ein Wärmenetz geplant ist. Damit gibt sie eine Orientierung für eine bewusste Entscheidung bei der künftigen Heizungswahl. Der Ende 2025 erstellte Bremer Wärmeplanentwurf enthält hierfür u.a. interaktive Karten sowie eine Frage-Antwort-Seite.

Ziel der kommunalen Wärmeplanung ist die Klimaneutralität bis 2045.

Was bedeutet "Prüfgebiet" in der kommunalen Wärmeplanung?

Im kommunalen Wärmeplan für Bremen sind einige Ortsteile wie z.B. das Steintor und Ostertor als Prüfgebiete gekennzeichnet. Ihnen konnte zum Zeitpunkt der Erstellung Ende 2025 noch keine Wärmeversorgungsart zugeordnet werden, da dort z.B. noch kein Ausbau des Fernwärmenetzes geplant ist. Diese Gebiete eignen sich in vielen Fällen für eine dezentrale Versorgung z.B. mit Luftwärmepumpen. Eine weitere Möglichkeit sind Erdwärmenetze (Kalte Nahwärmenetze oder Anergienetze in der Fachsprache). Viele detaillierte Informationen hierzu bietet die Genossenschaft ErdwärmeDich. Das sich u.a. aus solchen Entwicklungen ergebende Potenzial der Prüfgebiete soll bei der Fortschreibung der Wärmeplanung bis 2028 berücksichtigt werden.

Welche klimafreundlichen Heizungsalternativen gibt es?

Je nach Gebäudetyp und Lage kommen verschiedene Lösungen infrage:

  • Wärmepumpen (Sole oder Luft/Wasser), die Umweltwärme nutzen.
    Sie sind eine individuelle Lösung und können daher flexibel eingebaut werden. Sie sind klimafreundlich und effizient - auch im Altbau.
  • Kalte Nahwärme-Netze (Anergienetze):
    Sie sind besonders effizient und ideal für eng bebaute Stadtteile durch Zusammenschluss von mindestens 17 Häusern. Mit dem Konzept von ErdwärmeDich erfordern sie keine Anfangsinvestition.
  • Fernwärme-Netz:
    Fernwärme ist platzsparend und wartungsarm. Allerdings ist Hausanschluss ist mit hohen Anfangskosten verbunden und Fernwärme ist abhängig vom Netzausbau (z.B. durch Wesernetz).
  • Solarthermie:
    Sie ist eine ideale Ergänzung auf dem Dach, um Warmwasser zu bereiten und die Hauptheizung zu unterstützen.
  • Biomasse:
    Z.B. verbrennt ein Pelletkessel zu Pellets gepresste Sägespäne; für den Pelletvorrat wird allerdings ein Lagerplatz benötigt.

Stimmt es, dass Wärmepumpen nur im Neubau funktionieren?

Das ist ein Mythos!

Wärmepumpen sind auch in Bremer Altbauten effizient einsetzbar. Wichtig sind hierbei eine gute Planung und ggf. der Einsatz größerer Heizflächen (Heizkörper). Eine Dämmung der Gebäude senkt nicht nur bei Wärmepumpen, sondern auch bei Gas- und Ölheizungen die Energiekosten. Moderne Wärmepumpen arbeiten zudem sehr leise – oft leiser als ein Kühlschrank.

Welche Möglichkeiten habe ich als Mieter:in?

Mieter:innen können zwar nicht direkt Fördergelder für den Heizungstausch beantragen, aber sie können aktiv werden:

  • Beratung: Nutzung rechtlicher Beratungsangebote von Mietervereinen oder zum Mieterschutz.
  • Organisation: Vernetzung mit anderen Mieter:innen im Haus.
  • Energiesparen: Kleine Maßnahmen wie digitale Thermostate helfen direkt, Kosten zu senken.

Wo erhalte ich in Bremen Beratung und Förderung?

Wie funktioniert eine Wärmepumpe? 

Vereinfacht gesagt, funktioniert eine Wärmepumpe wie ein umgekehrter Kühlschrank. Während ein Kühlschrank Wärme aus seinem Inneren nach draußen leitet, entzieht die Wärmepumpe der Umwelt (Luft, Erde oder Wasser) thermische Energie und transportiert diese ins Haus.

Der Prozess in 4 Schritten:

  1. Energie gewinnen: Ein flüssiges Kältemittel nimmt die Wärme aus der Außenluft, dem Wasser oder Erdreich auf. Da dieses Mittel einen extrem niedrigen Siedepunkt hat, verdampft es bereits bei sehr geringen Temperaturen.  
  2. Verdichten: Der Dampf wird mit einem Kompressor unter Druck gesetzt. Durch den physikalischen Effekt der Kompression steigt die Temperatur des Dampfes stark an.  
  3. Wärme abgeben: Die so gewonnene Hitze wird über einen Wärmetauscher an das Heizungswasser des Hauses abgegeben. Dabei kühlt das Kältemittel ab und wird wieder flüssig.  
  4. Kreislauf neu starten: Das Kältemittel fließt zurück, um erneut Umweltwärme aufzunehmen.

Die Wärmepumpe erzeugt ein Vielfaches der eingesetzten elektrischen Energie als nutzbare Wärme (ein Anteil Strom zu mindestens drei Anteilen Wärme). Bei Gas oder Öl liegt dieses Verhältnis unter eins zu eins.

In Kombination mit Ökostrom oder einer eigenen Photovoltaik-Anlage wird so nahezu CO2-neutral geheizt. 

Was ist ein Anergienetz (Kalte Nahwärme)?

Ein Anergienetz ist ein kollektives Netz zur Beheizung von mehreren Gebäuden und nutzt dafür Erdwärme (im Bereich von ca.12-15 Grad Celsius). Durch die gleichbleibende Erdwärmetemperatur können Häuser effizient und klimafreundlich beheizt und im Sommer passiv gekühlt werden. Im Unterschied zu klassischen Fernwärmenetzen (mit Leitungswasser von mindestens 80 Grad Celsius) arbeitet das Anergienetz mit niedrigen Temperaturen und ohne Wärmeverluste in der Leitung. Erst im Haus wird durch eine Sole-Wärmepumpe das Heizwasser auf die benötigte Vorlauftemperatur des Heizsystems gebracht.

Das System besteht aus drei zentralen Komponenten:

  1. Erdwärmesonden: Sie dienen als Energiequelle und fördern die im Untergrund gespeicherte Wärme (in Bremen ca. 12- 15 °C ) mittels der zirkulierenden Sole. 
  2. Leitungsnetz: Ein System aus Vor- und Rücklauf transportiert die erderwärmte Sole zu den angeschlossenen Gebäuden.
  3. Wärmepumpen: In den Häusern heben dezentrale Erdwärmepumpen im Heizungsraum das Heizwasser (und bei Bedarf das Warmwasser) auf die benötigte Temperatur an.

Wo gibt es weitere Informationen?

 

Heizungspolitik der Bundesregierung

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD hat in ihrem Koalitionsvertrag 2025 vereinbart: „Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen. Das neue GEG machen wir technologieoffener, flexibler und einfacher.“

Das soll jetzt umgesetzt werden. Ende Juli 2026 wurde das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) als Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) parlamentarisch verabschiedet. Hinzu kommen weitere Gesetzentwürfe, die die Energiewende faktisch ausbremsen wollen.

Was enthält das neue Heizungsgesetz?

  • Gestrichen werden wichtige Regelungen des GEG zum Einbau neuer Heizungen (ab 2026 bzw. 2028): Fossile Gas- und Ölheizungen dürfen demnach unbegrenzt weiter eingebaut werden. Künftig müssen nicht mehr mindestens 65% erneuerbare Energien enthalten sein. Fossile Heizungen sind auch nach 2045 erlaubt.
  • Als Ausgleich schreibt die Regierung vor, dass die Brennstoffe für Heizungen ab 2045 klimaneutral sein müssen. 
  • Der Weg dahin soll über eine sogenannte „Biotreppe“ führen: Alle neu eingebauten Gas- und Ölheizungen sollen einen bestimmten Anteil an CO2-neutralen Brennstoffen vorsehen. Entsprechende Tarife der Energieanbieter gäbe es z.B. für Bioöl, Biomethan, Wasserstoff oder synthetische Treibstoffe. Der vorgeschriebene (Mindest-)Anteil CO2-neutraler Brennstoffe liegt ab 2029 bei 10%, um 2045 auf 100 % zu steigen. (Ab 2030 sind 15%, ab 2035 sind 30%, ab 2040 sind 60% vorgeschrieben.)
  • Ferner soll ab 2028 eine sogenannte „Grüngasquote“ gelten, d.h. dem Gas soll ein Prozent Biomethan und Wasserstoff beigemischt werden, wohl auch dies mit einem danach steigenden Anteil.
  • Der Einbau von Wärmepumpen soll weiterhin gefördert werden, allerdings zukünftig wohl im geringeren Umfang als bisher.

Das neue Gesetz verspricht Freiheit, ist aber tatsächlich ein fataler Rückschritt in der Klima- und Umweltpolitik. Klimaneutralität bis 2045 kann so nicht erreicht werden.

→ Problematisch ist, dass noch 2040 zu 40% fossil geheizt werden kann.

→ Hinzu kommt: Klimaneutrale Brennstoffe sind knapp und werden knapp bleiben. Auch die Industrie braucht sie. Sie werden daher immer teuer sein und die Regierungspolitik führt in eine Kostenfalle für weite Teile der Bevölkerung. 

→ Und die bestehende Abhängigkeit der Energieversorgung von Energieimporten und fossilen Energien wird weiterhin zementiert.Immer wieder zeigt sich, was diese Abhängigkeit wirklich bedeutet. So hat der Irankrieg schnell zu steigenden Ölpreisen geführt, die Energiepreise in die Höhe getrieben und die ökonomische und soziale Entwicklung beeinträchtigt.

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